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Die Leibnitzer
Geistermesse
Einer Leibnitzer Bürgersfrau träumte einst, sie solle
aufstehen und zur Rorate gehen. Als sie zur Kirche kam, war diese hell
erleuchtet. Viele Andächtige sassen in den Bänken. Zu ihrer Überraschung
erkannte sie aber keinen. Eine Gestalt näherte sich der Leibnitzerin. Da
erkannte sie in dieser Gestalt ihre längst verstorbene Taufpatin. Die
Bürgersfrau wollte ihre "Godel" nun ansprechen. Diese aber legte den Finger auf
den Mund und gebot ihr Schweigen.
Nach Schluss der Messe leerte sich die Kirche. Da stand die Leibnitzerin alleine
in finsterer Nacht mitten im Friedhof. Voll Angst lief sie nach Hause und verlor
dabei ihr seidenes Spitzentuch. Am nächsten Morgen ging sie es suchen. Sie fand
es im Friedhof in tausend Fetzen zerrissen. So wäre es ihr bestimmt ergangen,
wenn sie in der Kirche nur ein einziges Wort gesprochen hätte.
| © Peter Stelzl |
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