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Wie der Lieberbach zu
seinem Namen kam
Der Lieberbach, der durch die Gemeinde St. Nikolai ob
Draßling fließt, soll seinen Namen einer schönen Sage nach verdanken.
Zur Zeit
der Kreuzzüge lebte im Schloss Brunnsee ein Herzog mit seiner schönen Tochter
und drei stattlichen Söhnen. In der Nähe gab es die Rabenburg. Dort hauste ein
böser Ritter, der um die Hand der schönen Tochter anhielt. Der Freier wurde aber
immer abgewiesen. Der Rabenburger war sehr beleidigt und hegte Rachegefühle
gegen den Brunnseer. Da musste der Herzog in den Krieg. Die Söhne und die
schöne Tochter wurden in die stark befestigte, nahe Waldburg gebracht.
Eines
Tages gingen die drei Söhne im nahegelegenen Schweinsbachwald auf die Jagd. Der Rabenburger überfiel sie mit seinen Knechten und schleppte sie in seine Burg.
Vergebens wartete die Schwester auf die Heimkehr ihrer Brüder. Sie war so
bedrückt und weint so laut dass man es auch außerhalb der Burgmauern hören
konnte. Die Menschen nannten fortan dieses Waldschloss die "Weinburg".
Eines
Tages wanderte die Jungfrau im Schweinsbachwald umher, um ihre lieben Brüder zu
suchen. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch den Wald. Sie ging traurig das
Bächlein entlang und sprach zu ihm: „Oh lieber Bach, oh lieber Bach! Weißt
du nicht, wo meine Brüder sind?” Oft labte sie sich an einer nahen
Waldquelle und kühlte ihre heiß geweinten Augen.
Ein paar Tage später traf sie
an dieser Quelle ein altes Mütterchen. Mitleidig reichte sie der alten Frau eine
Gabe und erzählte ihr von ihrem Kummer um die verlorenen Brüder. Das alte
Mütterchen schöpfte mit einem Krüglein klares Wasser aus der Quelle, gab es dem
Mädchen zu trinken und sprach: „Liebes Kind, sei nicht mehr traurig und weine nicht mehr. Dieses Wasser wird dir helfen, deinen großen Kummer zu vergessen!” Das Mädchen trank das klare Wasser, setzte sich ins weiche Moos und schlief ein. Im Traum erschien ihm eine wunderschöne Fee, die lieblich sprach: „Weine nicht, deine Brüder leben und sind in der Rabenburg gefangen. Deine Tränen habe ich in dieser Quelle gesammelt und ihr Wasser soll in Zukunft kranken Menschen zur Gesundheit verhelfen!”
Als das Mädchen erwachte, kostete es das Wasser nochmals und siehe da, es
schmeckte angenehm säuerlich und prickelnde Perlen stiegen darin auf. Die Trauer
der Jungfrau war verschwunden Glücklich eilte sie zurück in die Weinburg.
Bald wurden auch die drei Brüder aus der Rabenburg befreit. Der Herzog von
Brunnsee kehrte ohne Schaden vom Kreuzzug heim. Seine Tochter bekam den kühnen
Befreier seiner Söhne zum Gemahl. Die Hochzeit wurde bald darauf in Bunnsee
gefeiert.
| © Peter Stelzl |
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