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Wie Ehrenhausen zu
seinem Namen kam
Das mächtige Schloss Ehrenhausen steht auf einem aus
der Mur- und Gamlitztal aufragenden Hügel. Die einst stolze Burg
beherrschte den zu ihren Füssen liegenden Markt, die wichtige Murbrücke
und die nach Arnfels und Eibiswald führende Handelsstrasse. Im Volksmund
wird über die Entstehung des Schlosses Ehrenhausen folgendes erzählt:
Zur Zeit der Kreuzzüge lebte ein reicher Graf auf
Schloss Brunnsee, dessen Stolz drei junge Söhne und eine wunderschöne
Tochter waren. Auf der benachbarten Rabenburg, einer nördlich von St.
Veit am Vogau gelegenen Wasserburg, lebte ein wilder Ritter, der von
allen gefürchtet war. Dieser verliebte sich in die Tochter des
Brunnseers und wollte um ihre Hand anhalten. Der Graf wollte aber davon
nichts wissen und liess in gar nicht in die Burg.
Schwer beleidigt zog der Rabensburger mit seinen Begleitern ab. Er wurde
dadurch der grösste Feind des Brunnseers.
Bald darauf rief der Papst die Christenheit zu einem
Kreuzzug ins Heilige Land auf. Der Graf von Brunnsee beteiligte sich mit
seinen Knappen und Knechten daran. Da seine Söhne noch zu jung waren, um
am Kreuzzug teilnehmen zu können, schickte der besorgte Vater seine vier
Kinder in die gut befestigte Waldburg, wo sie unter Obhut eines Vogts
bis zur Rückkehr ihres Vaters bleiben sollten.
Die Brüder zogen eines Tages in den nahen Schweinsbacher Wald, um
Wildschweine zu jagen. Ein Kundschafter berichtete dies dem Rabenburger.
Schnell rief er seine Knechte herbei. Die wilden Reiter überfielen die
jungen Grafen, fesselten sie und brachten die drei Brüder in die
Rabenburg, wo sie hinter dicken Burgmauern eingesperrt wurden.
Vergebens wartete die Schwester auf die Heimkehr ihrer geliebten Brüder.
Tag und Nacht weinte sie um die Verschollenen. Ihr Weinen wurde von den
Menschen auch ausserhalb der Burg gehört. Bald nannte man die ausgebaute
Festung "Weinburg".
Nach einigen Tagen machte sich das fesche Mädchen auf den Weg in den
Schweinsbacherwald, in der Hoffnung, ihre drei Brüder doch zu finden.
Sie wanderte einen kleinen Bach aufwärts zu einer Quelle. Dort
angekommen, sah das Mädchen eine alte Frau auf einem Baumstumpf sitzen.
Bald kamen die beiden ins Gespräch und die Tochter des Grafen erzählte
von ihrem grossen Kummer. Das alte Weiblein schöpfte mit einem Krüglein
klares Wasser aus der Qualle und sprach: "Liebes Kind, trink dieses
frische Wasser und dein Kummer wird verschwinden!" Bedächtig trank das
Mädchen das Wasser, setzte sich auf den Waldboden und schlief ein.
Im Traum erschien ihm eine freundliche Fee, die zum Mädchen sprach:
"Weine nicht! Deine Brüder leben. Deine Brüder sind in der Rabenburg
gefangen! Ich habe deine vielen Tränen in dieser Quelle gesammelt. Das
Wasser wird in Zukunft kranken Menschen die Gesundheit wieder geben."
Nach diesen Worten verschwand die Fee. Die Grafentochter erwachte, aber
niemand war mehr zu sehen. Das Mädchen kostete das Wasser, das angenehm
schmeckte. Jetzt wusste sie, dass die Fee ihr die Wahrheit erzählt
hatte. Die Jungfrau eilte heim und erzählte einem ritterlichen Freund
ihres Vaters das Erlebte. Der Ritter schwur, die Brüder zu befreien. Man
dachte sich eine List aus, um in die stark befestigte Burg zu kommen.
Als Dienstmagd unkenntlich verkleidet, wurde die Grafentochter in die
Burg eingelassen und als Küchengehilfin aufgenommen. Es dauerte nicht
lange, musste sie karges Essen in das Gefängnis ihrer Brüder bringen.
Wenig später versorgte sie ihre verdutzten Brüder auch mit brauchbaren
Waffen.
Eines Nachts gab es in der Rabenburg ein wildes
Saufgelage. Schwer betrunken lagen der Rabenburger und seine Gesellen im
Rittersaal herum. Die Grafentochter nützte diese Gelegenheit aus, stieg
unbemerkt zum Kerker und öffnete die Türen. Die Brüder überwältigten die
wenigen Wächter, liessen die Zugbrücke herab und die draussen wartenden
Freunde und helfenden Ritter stürmten in die Burg und nahmen die
Besatzung gefangen.
Um sein Leben bangend, floh der Rabenburger mit seinem Pferd in die
Dunkelheit. Ein Ritter sprengte dem Flüchtigen nach, holte ihn in der
Nähe des heutigen Ortes St. Veit am Vogau ein und hieb ihm mit einem
gewaltigen Schwertstreich den Kopf ab.
Als der Graf von Brunnsee glücklich vom Kreuzzug
heimgekehrt war, erschien dieser tapfere Ritter im Schloss Brunnsee und
hielt um die Hand der feschen Tochter an. Die Tochter stimmte freudig zu
und bald wurde die Hochzeit gefeiert.
Der glückliche Ritter machte sich mit seiner jungen Frau und seinem
Gefolge auf den Weg zu seinem Schloss. Bald erreichten sie eine schöne
Burg, die knapp am Murufer auf einem Hügel stand. Feierlich wurden sie
dort empfangen. Überglücklich umarmte die fesche Rittersfrau ihren
Gatten und sagte zu ihm: "Hier möchte ich mit dir viele Jahre glücklich
und zufrieden in Ehren hausen".
So entstand der Sage nach der Name, den heute das
Schloss und der schmucke Markt tragen. |