|
Das Roanschinder-Lichtl
Wer in der Nähe von Wolfsberg im Schwarzautal das Saßtal
durchwandert, kommt zur sogenannten Kauwiese. Über sie führte einst ein
Fußsteig, der aber von den Einheimischen nicht gern begangen wurde, weil da oft
so kleine Irrlichter auftauchten und die Fußgeher ständig hüpfend begleiteten. Diesen Lichterln, die den Leuten recht unheimlich waren, wollte aber niemand
begegnen.
Einst musste die alte Barbara diesen Fußweg benützen. Kaum war sie etwa
bis zur Mitte der Wiese gelangt, tanzte auch schon ein Lichterl neben ihr her,
ohne dass die gute Frau bemerkt hätte, woher es gekommen war. Natürlich war sie
tief erschrocken, nahm aber all ihr bisschen Mut zusammen und tat, als ob sie
die Flamme gar nicht sehen würde. Bald schwenkte nun das Lichterl ab, wanderte
am Rand der Wiese entlang, huschte über den schmalen Saßbach und verschwand
unter einer riesigen Eiche.
Die Einwohner der Gegend sagen, es handle sich nach
einer alten Überlieferung um die Seelen von „Roanschindern”, die das von ihnen zu
Lebzeiten getane Unrecht nun büßen müssen.
| © Peter Stelzl |
 |

hinauf |
|