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Der Haferschimmel
In der Gegend von Ragnitz erzählen die Leute heute noch von
einem geisterhaften weißen Rosse, das in Vollmondnächten in Haferfeldern weidet,
ohne dabei auch nur eine Ähre zu knicken. Die Bauern des Stiefingtales nennen
das Pferd „Haferschimmel”.
Eines Nachts wollte ein Bursche zu seiner Liebsten gehen. Der Weg führte ihn an
einem großen Haferfelde vorbei. Da sah er in der Mitte des Feldes einen schönen
Schimmel stehen, der Hafer fraß. In der Meinung, der Schimmel gehöre einem
benachbarten Bauern und sei durchgegangen, ging er in das Feld und wollte das
schöne Pferd einfangen. Da wurde der Schimmel immer größer und größer. Der
Bursche bekam es mit der Angst zu tun, sodass er vor Schrecken davonlief. Gleich
am nächsten Morgen erzählte der Bursche den Vorfall dem Besitzer des
Haferfeldes. Er ging mit dem Burschen zum Acker, um den Schaden zu besehen. Zum
großen Erstaunen sah man, dass die Ähren nicht einmal von Rosshufen berührt,
viel weniger zertreten oder zerknickt waren.
| © Peter Stelzl |
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