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Die unglückliche Dirn
Bei einem Bauern am Eichberg waren zwei Dirnen im Dienst. Beide waren recht
fesch, sehr fleißig und hatten beide viele Verehrer. Eines Tages beklagte sich
die ältere Dienstmagd über ständige Müdigkeit. Die beste Hausmedizin half
nichts. Eines Nachts bemerkte die jüngere Magd, dass die ältere die gemeinsame
Schlafstube um Mitternacht verlassen wollte. „Wo gehst denn hin?” fragte sie
die Ältere. „I muass in da Nocht durch die Gegend fliagn. Wenn i zruck kumm,
schlog mi mit die gweihten Birkenastln, die in der Eckn steckn; so kannst mi
erlösn. Schlog nur fest drauf, nenn mi oba jo net beim Namen!” antwortete die ältere Dirn. Und schon war sie in der Nacht verschwunden.
„Die Miatzl ist a Trud, jetzt waß i des!” sagte die jüngere Magd.
Zwei Stunden nach Mitternacht ging die Tür wieder auf. Schwitzend, mit einem blassen Gesicht und zerzausten Haaren, kam die ältere Magd wieder in die Schlafstube. Die jüngere Dirn holte rasch die Birkenzweige,
schlug unerschrocken auf ihre Freundin ein und schrie: „Um Gottes Wülln, Miatzl, wie schaust denn du aus?”
Die Miatzl schrie laut auf und stob aus der Stube.
Nie mehr wurde sie auf dem Bauernhof gesehen. Sie musste weiter als Trud durch die Nächte am Eichberg fliegen. Von ihrer Freundin konnte sie jedenfalls nicht mehr erlöst werden.
| © Peter Stelzl |
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