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Von der Erfindung des
G'selchten
In unserer Heimat herrschte vor einigen hundert Jahren die Türkennot. Immer
wieder kamen Scharen dieses kriegerischen Volks und plünderten, brandschatzten
und verwüsteten Siedlungen und Fluren. Zu dieser Zeit wohnte in Saggau der
Dorfschuster Hansl mit seinem getreuen Eheweib, der Liesl. Während er sein
Handwerk betrieb, versorgte sie Haus und Hof.
Als wieder einmal die Schreckensnachricht in das Saggautal kam, dass der
türkische Feind ganz in der Nähe sei, meinte die Liesl, dass das letzte
Speckfadl im Stall einen grossen Wert habe und es jammerschad wäre,
wenn es den Türken in die Hände fiele, wo sie doch so viel Arbeit mit dem
Auffüttern gehabt hätte.
Der Hans stimmte ihr bei und die beiden beschlössen, das Schweindl abzustechen.
Bald begannen sie mit der traurigen Arbeit. Mitten im hastigen Werken schrie die
Liesl auf: "Die Türken kemman!" und setzte jammernd fort: "Wos fan i mit dem
abgestochenen Fadl an? Wenn wir's eingraben, verdirbt es und zum Verstecken
bleibt uns ka Zeit mehr!"
Dem Schuster kam ein Gedanke. Er schlug der Liesl vor, sie solle das Schwein
in den Rauchfang hängen, dort finde es der Feind ganz bestimmt nicht. Gesagt,
getan! Die beiden machten das Schweindl innen im Rauchfang fest und rannten Hals
über Kopf durch's Hoftürl hinaus in den Wald. Kaum waren sie draussen, als auch
schon ein Trupp Türken da war. Sie drangen schreiend in das Haus ein, machten
Feuer an und bereiteten sich aus den vorhandenen Vorräten ein Mahl, das sie
johlend verzehrten. Zwölf Tage hausten sie so im Saggauer Schusterhäusl. Dann
zogen sie unversehens ab.
Im Dorf herrschte wieder Ruhe und Frieden. Darauf kehrten Hansl und seine
Frau zurück und dankten Gott, dass ihr Häusl noch da stand. Liesls erster Blick
galt sofort dem Inneren des Rauchfangs. Sie sah das Schweindl und ein Juche kam
über ihre Lippen. Schnell hob der Hansl das Fadl herunter, die Liesl besah und
beschnupperte es von allen Seiten und konnte sich schliesslich nicht enthalten,
es für alle Fälle gleich zu verkosten um zu sehen, ob denn noch etwas dran wäre.
Und siehe da! Ein Bissen schmeckte besser als der andere! "Des werf ich net weg,
des wär jo a Sünde!" rief sie mit heller Stimme aus. Nachdem sich auch der Hansl
von dem köstlichen Genuss überzeugt hatte, trugen die beiden die frohe Kunde von
ihrer schmackhaften Entdeckung zu allen Nachbarn weiter, worauf diese
nacheinander ebenfalls das Räuchern probierten. Jedem ist es gelungen und allen
Bewohnern des Saggau- und Pössnitztales mundete die neuartige Speise ganz
vorzüglich. So wurde bald überall das "G'selchte" in der Steiermark bekannt und
in allen Kreisen auch sehr beliebt.
| © Peter Stelzl |
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