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Südsteirische Sagenwelt

Eine Sagenreise durch den Bezirk Leibnitz

Unser Reiseleiter ist Herr Peter Stelzl aus Arnfels, der die hier aufgeführten Sagen gesammelt und freundlicherweise seine Zustimmung zur Veröffentlichung auf dieser Website erteilt hat.

Die Sagen auf dieser Seite werden in regelmäßigen Abständen ergänzt und können in dem Buch "Südsteirische Sagenwelt", erschienen 1995 im Eigenverlag, nachgelesen werden.

 

Von der Erfindung des G'selchten

In unserer Heimat herrschte vor einigen hundert Jahren die Türkennot. Immer wieder kamen Scharen dieses kriegerischen Volks und plünderten, brandschatzten und verwüsteten Siedlungen und Fluren. Zu dieser Zeit wohnte in Saggau der Dorfschuster Hansl mit seinem getreuen Eheweib, der Liesl. Während er sein Handwerk betrieb, versorgte sie Haus und Hof.

Als wieder einmal die Schreckensnachricht in das Saggautal kam, dass der türkische Feind ganz in der Nähe sei, meinte die Liesl, dass das letzte Speckfadl im Stall einen grossen Wert habe und es jammerschad wäre, wenn es den Türken in die Hände fiele, wo sie doch so viel Arbeit mit dem Auffüttern gehabt hätte.
Der Hans stimmte ihr bei und die beiden beschlössen, das Schweindl abzustechen. Bald begannen sie mit der traurigen Arbeit. Mitten im hastigen Werken schrie die Liesl auf: "Die Türken kemman!" und setzte jammernd fort: "Wos fan i mit dem abgestochenen Fadl an? Wenn wir's eingraben, verdirbt es und zum Verstecken bleibt uns ka Zeit mehr!"

Dem Schuster kam ein Gedanke. Er schlug der Liesl vor, sie solle das Schwein in den Rauchfang hängen, dort finde es der Feind ganz bestimmt nicht. Gesagt, getan! Die beiden machten das Schweindl innen im Rauchfang fest und rannten Hals über Kopf durch's Hoftürl hinaus in den Wald. Kaum waren sie draussen, als auch schon ein Trupp Türken da war. Sie drangen schreiend in das Haus ein, machten Feuer an und bereiteten sich aus den vorhandenen Vorräten ein Mahl, das sie johlend verzehrten. Zwölf Tage hausten sie so im Saggauer Schusterhäusl. Dann zogen sie unversehens ab.

Im Dorf herrschte wieder Ruhe und Frieden. Darauf kehrten Hansl und seine Frau zurück und dankten Gott, dass ihr Häusl noch da stand. Liesls erster Blick galt sofort dem Inneren des Rauchfangs. Sie sah das Schweindl und ein Juche kam über ihre Lippen. Schnell hob der Hansl das Fadl herunter, die Liesl besah und beschnupperte es von allen Seiten und konnte sich schliesslich nicht enthalten, es für alle Fälle gleich zu verkosten um zu sehen, ob denn noch etwas dran wäre. Und siehe da! Ein Bissen schmeckte besser als der andere! "Des werf ich net weg, des wär jo a Sünde!" rief sie mit heller Stimme aus. Nachdem sich auch der Hansl von dem köstlichen Genuss überzeugt hatte, trugen die beiden die frohe Kunde von ihrer schmackhaften Entdeckung zu allen Nachbarn weiter, worauf diese nacheinander ebenfalls das Räuchern probierten. Jedem ist es gelungen und allen Bewohnern des Saggau- und Pössnitztales mundete die neuartige Speise ganz vorzüglich. So wurde bald überall das "G'selchte" in der Steiermark bekannt und in allen Kreisen auch sehr beliebt.

© Peter Stelzl  
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