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Wie Kaindorf zu seinem
Namen kam
Wo Sulm und Lassnitz zusammen kommen, soll einst ein grosses,
reiches Dorf gewesen sein. Aber die Leute, die darin wohnten, sollen gottlos und
hartherzig gewesen sein. Es war in einem schneereichen Winter. Ein gebrechlich
altes Mütterchen zog von Haus zu Haus und bat um Brot und ein Nachtlager. Doch
überall wurde es abgewiesen und in die raue Winternacht hinausgejagt. Dort, wo
jetzt das Schloss Seggau steht, soll es zu einer kleinen Keusche gekommen sein.
Diese gehörte einer armen Witwe. Bei dieser Frau fand die Alte freundliche
Aufnahme und durfte auch übernachten.
Am Morgen erzählte die Alte, wie die Leute unten im Dorfe
hartherzig und schlecht wären. Die Strafe werde aber kommen. Der ganze Ort würde
überschwemmt werden und kein einziges Haus würde verschont bleiben. Dies sagte
sie in einem drohenden Ton. Der Witwe wurde angst und bange. Jetzt erzählte sie
der Alten, dass im Dorfe eine Tochter von ihr lebe, die mit einem bösen und
geizigen Mann verheiratet wäre. Da bat nun die Witwe, es möge doch die Alte mit
ihr beten, dass ihrer Tochter nichts geschehe. Das gebrechliche Mütterchen sagte
mit einer Bestimmtheit, dass der jungen Frau nichts geschehen werde.
Am folgenden Morgen bedankte sich das alte Mütterchen für die
Aufnahme und verliess die Keusche. Sie erwähnte noch beim hinaus gehen, dass sie
für die gute Behandlung ein Zeichen setze werden. Dann ging sie in die
Winterlandschaft hinaus. Über diese Aussage verwundert ging die Keuschlerin
wenig später ihren Fussspuren nach, die im frisch gefallenen Schnee eingedrückt
waren. An einer bestimmten Stelle waren keine Spuren mehr zu sehen.
Am nächsten Tag setzten schwere Regenfälle ein, Eis und
Schnee schmolzen schnell dahin. Sulm und Lassnitz schwollen immer mehr an,
traten aus den Ufern und überschwemmten das ganze Dorf. Alle Häuser stürzten ein
und die blühende Ortschaft wurde ganz vernichtet. Nur das Häuschen, in dem die
Tochter der armen Witwe wohnte, blieb verschont.
Erst allmählich entstand zwischen den beiden Flüssen Lassnitz
und Sulm eine Ortschaft. Diese erhielt den Namen "Kaindorf", weil durch die
Überschwemmung die Häuser zerstört wurden und "kein Dorf" mehr da war.
© Peter Stelzl
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